Gaue Passau & Donau–Naab–Main:
Dieser Artikel ist erschienen im Rhaeten-Herold Nr. 640-S. 25
29.07.2026 - Gautag in Straubing
Nach fünfzehn Jahren fand in Straubing am 29. das gemeinsame Treffen der Gaue Passau sowie Donau, Naab, Main wieder in der Gäubodenstadt Straubing – wenige Tage vor dem Gäubodenvolksfest- statt. Diesmal organisierte Gauobmann Werner Penth den Gautag, zu dem die Bundesbrüder Dr. Edi Buckl, Karl Nosek (Rupertigau), Dr. Hans Groß (Pfaffenwinkel), Max Seidl (München), Franz Stocker (Ingolstadt), Günter Albrecht, Dr. Karl-Martin Glas (Passau) und Dr. Hans Gruber, Dr. Heinrich Gruber, Werner Penth (Donau, Naab, Main) gekommen sind.
Besonders begrüßt wurden natürlich die anwesenden Damen, die durch die Teilnahme ihre Verbundenheit zur KBStV Rhaetia zeigten.
Inmitten des 800 Meter langen Stadtplatzes mit einem harmonischen Mix von gotischen Giebeln, Renaissance - und Barockfassaden erhebt sich das Wahrzeichen von Straubing, der 68 m hohe Stadtturm mit seinen fünf Spitzen – errichtet ab 1316 als Wachtturm gegen Feuer und Feinde. Hier erwartete die Gästeführerin Frau Scharrer die Rhaetenfamilie und erläuterte beim Spaziergang über den westlichen Teil des Stadtplatzes die wechselvolle Entstehung und Geschichte der Stadt:
Nach den Kelten (Oppidum „Sorviodurum“) beherrschten die Römer 400 Jahre diesen Raum und bauten hier einen bedeutenden Militärplatz an der osträtischen Donaugrenze aus.
Mit dem Ende des Römerreiches entwickelte sich hier ein Siedlungszentrum der Bajuwaren unter dem Sippenführer Strupo (Strupinga – Straubing).
Nach Absetzung des agilolfingischen Herzog Tassilo kam Straubing in karolingischen Besitz. Kaiser Heinrich der Heilige schenkte es seinem Bruder Bruno, Bischof von Augsburg und 1029 ging die Grundherrschaft weiter an das Augsburger Domkapitel. Dagegen setzte dann der wittelsbachische Herzog der Kelheimer mit der Gründung der sogenannte „Neustadt“ 1218 ein deutliches Zeichen. Straubing entwickelte sich rasch zu einem Zentrum wittelsbachischer Herrschaft und wurde 1353 Hauptstadt des Herzogtums Bayern-Straubing-Holland unter der 46-jährigen Herrschaft von Herzog Albrecht I. Ab 1425 fiel die Stadt an das Herzogtum Bayern-München und war dann im 16. Jhdt. kurzzeitig Zentrum der Reformation. Im Dreißigjährigen Krieg fielen 1800 der 4000 Einwohner der schwedischen Besatzung und der Pest zum Opfer. Ein weiterer schwerer Schlag war für die Stadt der Stadtbrand von 1780, dem Quartiere nördlich des Stadtplatzes zum Opfer fielen.
Nach diesem Ausflug in die Geschichte der Stadt führte Frau Scharrer sie vorbei an der Dreifaltigkeitssäule zur Hauptkirche - die Basilika St. Jakob, um 1400 vom Baumeister Hans von Burghausen als gotische dreischiffige Hallenkirche mit 20 Seitenkapellen entworfen. Besondere Ausstattungen wie der Hochaltar von 1486, die Hochfenster mit Glasmalerei Ende des 15.Jahrhunderts, eines davon „Übergabe der Gesetzestafeln an Moses“ von Albrecht Dürer, sowie die prachtvolle Rokokokanzel konnten bewundert werden.
Der anschließende Besuch des „Gäubodenmuseum“ in der Fraunhoferstraße führte die Rhaeten zurück in die Frühgeschichte der Stadt: Hier konnten sie den berühmten Römerschatz, ein Hortfund römischer Paraderüstungen aus dem 3. Jhdt. mit Gesichtsmasken, Beinschienen, Ross-Stirnen und Statuetten bewundern.
Nun war aber Zeit für die Mittagspause: Im Gasthaus „Gäubodenhof“ in der Theresienstraße am Stadtplatz stärkte sich die Rhaetenfamilie bei Speis und kühlen Getränken, die wegen der derzeitigen Sommerhitze sehr willkommen waren. Im geselligen Gespräch dankten die Teilnehmer Bb Werner Penth und seiner Gattin für die Vorbereitung dieses Gautages, der für den Nachmittag noch zwei weitere Stationen vorsah.
Im Bereich des früheren Franziskanerklosters, wo der Universitätscampus für die Forschung und Lehre „Nachwachsende Rohstoffe“ sich in den letzten zwanzig Jahren entwickelt hat, wurde nun 2023 vom Freistaat Bayern noch ein Naturwissenschaftliches Museum, das NAWAREUM in Holzmassivbauweise errichtet, in dem die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel, nachwachsende Rohstoffe, erneuerbare Energien anschaulich behandelt werden. Auf drei Etagen erwartete die Rhaeten eine bunte Mischung aus Natur und Technik, Wissen und Inspiration mit Mitmachstationen, - gerade auch für die junge Generation geeignet.
Den Abschluss des Gautages bildete noch eine „Oase der Ruhe“, nämlich der Besuch der ältesten Pfarrkirche von Straubing, St. Peter im nahen ehemaligen Siedlungsbereich „Strupinga“. Um 1180 errichtete das Augsburger Domkapitel dort eine romanische 3-schiffige Pfeilerbasilika, die auf Resten des Römischen Kastells und eines karolingischen Kirchenbaus steht. Eine Besonderheit ist die auch hier befindliche Agnes- Bernauer-Gedenkkapelle für die nicht legitime Gattin Albrecht III., die auf Geheiß seines Vaters Herzog Ernst I. 1436 in der Donau ertränkt wurde. Im historischen Friedhof, umgeben von einer Art Wehrmauer und eingebettet in das Grün alter Bäume erzählen mehr als tausend Grabmäler die Geschichte der Stadt.
Der Rhaetengautag 2026 in der Gäuboden- und Universitätsstadt Straubing war ein sehr heißer Sommertag, aber auch erfüllt mit wunderbaren Eindrücken einer geschichtsbewussten und modernen niederbayerischen Stadt.
Bb Günter Albrecht, Gauobmann Passau
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